Home of the Red Monster

DIY and craftiness. Helped me heal and makes me happy!

Die Schuppen der Drachen

A small story I wrote some time ago – in german, but some of you might be able to read it ūüôā

…..

Ich war hungrig, aber nicht nur hungrig auf Nahrung, auch hungrig mehr von ihr zu erfahren, Teil ihres Lebens zu werden.
Aber was hatte ich zu bieten?
Ein arbeitsloser Schriftsteller, nicht einmal besonders gut in dem was ich schrieb. An guten Tagen sagte ich mir, dass meine Zeit noch nicht gekommen war und die Welt mein Genie einmal w√ľrdigen w√ľrde.
An allen anderen Tagen f√ľhlte ich mich als Verlierer. Sah mich darin best√§tigt, im Hinterzimmer der W√§scherei die schweren Arbeiten zu erledigen, die die Frauen, die dort arbeiteten, nicht machen konnten.

Denen hatte ich gesagt ich w√§re Student im 27. Semester, einer dieser ewigen Studenten. Mitleidsvoll hatten sie mich angesehen, der Arme, schienen sie zu denken, kann nichts, hat nichts und wird wahrscheinlich nichts werden. Und dass sie f√ľr so einen Luxus keine Zeit hatten, essen musste auf den Tisch und der Mann bei Laune gehalten werden.

“Willst du das?”
drang die Frage in mein Bewusstein.
Ich war so in Gedanken versunken gewesen, dass ich nicht bemerkt hatte, dass meine Nachbarin weitergesprochen hatte.

“Mmhhh, entschuldige, ich war gerade mit meinen Gedanken ganz wo anders, was sollte ich wollen oder nicht?”

“Mit zu mir kommen, auf ein Glas Wein oder einen Kaffee”

“Wunderbar, sehr gerne”

Sie ging voran, der Weg im Stiegenhaus war sehr schmal und schloss eine T√ľr im dritten Stock auf, die Nummer 13.

“Komm herein, hier kannst du ablegen”

“Danke vielmals”. Ich zog meinen Mantel aus und h√§ngte ihn auf den vollen Kleiderst√§nder, liess meine Tasche in eine Ecke fallen.

Die Wohnung war erstaunlich, alles sehr dunkel, nur durch einzelne Lichtinseln erhellt, an den W√§nden Bilder, die aber so zahlreich waren, dass man das Einzelne kaum mehr wahrnehmen konnte, alles schien zu einer grossen “Kunstwand” zu verschwimmen. Hier und da ragten einzelne Farben hervor, wie kleine Leuchtfeuer.
Ich wäre gerne länger stehengeblieben und hätte mir alles näher angesehen, aber sie bat mich weiterzugehen, ins Wohnzimmer.

Ein grosser, fast viereckiger Raum, aus dem an zwei Seiten T√ľren abgingen. Auch hier alles in einem Halbdunkel, wie in einer Lichtinsel sass eine alte Frau in einem bequemen Lehnstuhl und schien zu lesen. Wir durchquerten die Dunkelheit, im schnellen vorbeigehen sah ich Gegenst√§nde und M√∂bel aufblitzen, war aber ganz konzentriert wieder ins Licht einzutauchen.

“Ja, wen hast du uns denn da mitgebracht?”
“Ein Nachbar, Mutter, den ich auf der Stiege traf …. ich weiss seinen Namen nicht, aber das Tiefste seines Inneren hat er mir schon offenbart”

Mir schoss das Blut in den Kopf, was war ich doch f√ľr ein T√∂pel gewesen, nichts an meiner Beichte unwahr, aber doch sehr holzf√§llerisch, mit der T√ľr ins Haus fallend.

Ich verbeugte mich, halb aus Höflichkeit, halb um meine Verlegenheit zu verbergen.

“Schubert, Franz, so wie der Komponist. … ich habe schon alle Kommentare zu diesem Namen geh√∂rt und leider hat nichts von seiner Genialit√§t durch diesen Namen auf mich abgef√§rbt”

“Oh, dann werde ich kein Kommentar dazu geben. Setzen sie sich hin, junger Mann. Sera, bringst du dem Herren etwas zu trinken? Was m√∂chten sie denn gerne?”

Wenn ich jetzt Wein trank, w√ľrde ich mich in k√ľrzester Zeit um Kopf und Kragen reden, vorallem mit meinem leeren Magen w√ľrde es mir nicht gut bekommen.

“H√§tten sie vielleicht einen Tee?”

Ich mochte keinen Tee, war ein Kaffeetrinker, aber es schien mir die beste, weil die harmloseste, Wahl.

Sera schien nachzudenken “Tee, ja … wir sind keine grossen Teetrinker, aber wahrscheinlich werde ich einen Kamillentee finden”

Mich schauderte, das ging zu weit. Kamillentee ohne ärztliche Anordnung war ein Instrument der Inquisition, der Folter.

“Vielleicht einen Kaffee?”

Sera l√§chtelte “Ja, gerne, Mutter, m√∂chtest du auch noch etwas?”

“Nein, danke”. Zu mir gewandt sagte sie: “Setzen sie sich doch, junger Mann. Was ist denn mit ihrer Hose passiert?”

Ich blickte an mir runter, meine Hose klebte an meinen Schenkeln, sie war auch ganz verdreckt, schon vorher nicht wirklich sauber, aber jetzt reif f√ľr die Waschmaschine.

“Ein Auto … ich war in Gedanken … es hat mich erwischt”

“Sind sie oft in Gedanken?”

“Ja, der einzige Reichtum den ich habe”

“Nun, dann sind sie aber reicher als so viele andere. Mein verstorbener Mann, Gott habe ihn selig, hat in seiner Freizeit geschrieben. Am Abend hat er mir immer vorgelesen was er geschrieben hat und … es klingt vielleicht seltsam, aber seine Geschichten haben mich immer so beruhigt, dass ich wunderbar geschlafen habe.
Seit er tot ist, habe ich kaum geschlafen, ich verbringe den Grossteil der Nacht damit hier in meinem Sessel zu lesen.
Aber es scheint, dass die Geschichten die ich mir selber erz√§hle, indem ich lese, nicht denselben beruhigenden Effekt auf mich haben …”

“Das tut mir leid. Soll ich ihnen vielleicht eine Geschichte erz√§hlen?”

“Gerne junger Mann. Warten sie, ich setze mich bequemer hin und schliesse meine Augen”

Ich dachte nach…
Von all den Geschichten die mir im Kopf rumgeisterten, welche sollte ich nehmen. welche w√ľrde passen …

“Ich erz√§hle ihnen ein M√§rchen, wie alle guten M√§rchen beginnt es: es war einmal in einem fernen Land…”

Ich sah wie sie lächelte

“Es war einmal in einem fernen Land, da lebte ein armer Schriftsteller. Er war aus vielen Gr√ľnden arm, er beherrschte nicht die Kunst der Selbstvermarktung, er hatte kein √ľbergrosses Ego, dass ihn die Welt von seiner Genialit√§t √ľberzeugen liess, er stand sich auch oft selbst im Wege, mit seiner Unsicherheit, seinen Zweifel und seiner Sch√ľchternheit.
Um zu √ľberleben musste er am Hof des K√∂nigs niedere Dienste verrichten. Er k√ľmmerte sich um den Hofdrachen. Das war ein furchterregend grosser und gef√§hrlicher Drache, allein das blosse Ausatmen war so heiss, dass es einem die Kleider vom Leib brannte.

Aber sie hatten, durch Zufall, gleich am Anfang seiner Arbeitszeit festgestellt, dass der Drache den armen Schriftsteller liebte. Dass die beiden einander verstanden, der eine, der seine innere Kraft nicht rauslassen konnte, der sich selber unendlich viele H√ľrden und Barrieren einbaute und der andere, der seine Kraft nicht ausleben durfte. Der eingesperrt war in einem Eisenk√§fig und nur an guten Tagen ein bi√üchen vom Himmel sah. Den Himmel der sein Element war und in den ihn seine Sehnsucht zog.

So war der arme Schriftsteller der Drachenh√ľter.
Und auch, wenn er sich dessen nicht bewusst war, so war seine Stelle, seine Arbeit, √ľberlebensnotwendig, so war er nicht mehr “erfolgloser Schriftsteller” sondern “der beste Drachenh√ľter des ganzen K√∂nigreiches”.

Der Drache, der in seinem kleinen K√§fig sass, das Eisen, wenn er damit in Ber√ľhrung kam, juckte ihn unangenehm auf der Haut, er musste andauernd aufpassen, dass er sich nicht un√ľberlegt bewegte, dieser Drache lebte f√ľr den Moment in dem der Schriftsteller in der Fr√ľh seine Arbeit begann.
Was war es, dass der Drache in diesem Mann sah?
Was tat dieser Mann f√ľr diesen riesigen Drachen?

Der Drache, es war ein m√§nnlicher Drache, man kann sagen im besten Drachenalter; der Drache tr√§umte jedes Mal wenn er schlief, davon dass er flog. Wie fr√ľher, als er noch nicht gefangen war; dass er wie damals, durch die L√ľfte segelte und den Wind auf seinen Schuppen sp√ľrte, dass er vor Freude br√ľllte und die Gr√∂sse des Himmelsraums seine Schreie aufnahm und in Wellen des Gl√ľcks verwandelte.
Jetzt war er in diesem kleinen Raum, er sp√ľrte wie sein Feuer jeden Tag weniger wurde. Er bem√ľhte sich niemanden diese Schw√§che sehen zu lassen, aber er f√ľhlte wie das Leben langsam aus ihm tropfte und es machte ihn w√ľtend, so w√ľtend, dass er am liebsten seinen besten Feuerstrahl nehmen w√ľrde um diese engen Mauern des K√§figs zu schmelzen.
Aber er hatte es so oft schon versucht und nichts erreicht, das Eisen war zu dick.

Der Schriftsteller nun, hatte damals, wohl aus Nervosität, oder auch, weil es sein Element war, angefangen dem Drachen Geschichten zu erzählen. Nicht wissend ob der Drache verstand, aber sehend, dass das Tier immer ruhiger wurde. Sich hinlegte und tiefer zu atmen schien.
So wurden, ab diesem Tag, in dem Raum mit dem Drachenk√§fig, Geschichten erfunden und erz√§hlt. Manchmal waren es lustige, manchmal traurige, meistens aber sehr phantasievolle und spannende. Der Schriftsteller f√ľllte gleichsam den Raum zwischen dem Drachen und dem verhassten Eisen, mit Papier, beschriebenem Papier, mit B√ľchern, die tr√∂steten und Kraft gaben.

Der Schriftsteller sah, dass der Drache immer schw√§cher wurde, auch wenn er sich bem√ľhte und dick aufbl√§hte wenn jemand anderes in die N√§he kam. Er sah wie der Drache immer kleiner wurde, wie als w√ľrde er schrumpfen, da das Leben aus ihm herausfloss.
Er kannte niemanden im Schloss, er hatte mit dem Oberaufseher gesprochen, der war zust√§ndig f√ľr die Pferde und die anderen Tiere am Hof. Dieser Mann, wir wollen nicht ungerecht sein, aber viel mehr als Pferde verstand er nicht. Er war einmal arg von einem Drachen verbrannt worden, sein Hals war dauerhaft rot geblieben wo ihn der Strahl des Feuers getroffen hatte.
Er hatte keine Vers√∂hnlichkeit in sich, auch kein Mitleid, er sagte nur: “wenn der bl√∂de Drache stribt, fangen wir einen neuen, es gibt genug davon. Alles nur grosses Ungeziefer.”

Der Schriftsteller hatte keine besondere Kenntnis √ľber Drachen, aber er litt mit der Kreatur. Er sah die sinnlose Verschwendung der Lebensenergie eines Tieres. Auch dieses war auf dieser Erde um zu leben.

So konnte er nicht viel mehr machen, er wusste keinen anderen Weg, er konnte nur Geschichten erfinden und mit dem Klang seiner Stimme und seiner Worte, das Leid des Drachens ein bißchen lindern.

Als es dem immer schlechter ging, nahm der Schriftsteller ein paar Decken und zog in den Drachenraum um immer bei ihm zu sein und ihm seine bevorstehende Reise leichter zu machen.
So redete er, erfand ganze Welten. Welten in denen die Drachen die Herrscher waren und Menschen in Käfige sperrten, Welten in denen es weder Drachen noch Menschen gab, in denen nur die Pflanzen lebten, redeten und sich bewegen konnten.
Welten die nur aus Luft bestanden und die, die grosse Freude und das Gl√ľck der Drachen aufnahmen die in ihnen lebten und flogen.

Der ganze Raum, der ganze K√§fig war ausgef√ľllt mit Geschichten, die sich tr√∂stend um den Drachen legten, ihn w√§rmten und ihm halfen sein Schicksal zu ertragen.

Eines Tages, ganz in der Fr√ľh, der Schriftsteller war kurz eingenickt, sah er nach dem Aufwachen, dass der Drache tot war. Nicht nur tot, es war auch kaum etwas von ihm √ľbrig geblieben, nur eine Schuppe lag noch in dem Raum.

Die nahm der Mann.

Am Ende seines Lebens hatte er viele solche Schuppen. Bei sich zuhause lagen sie in einem Raum.
Als er am sterben war, bat er seine Frau, ihm diese Schuppen zu bringen. Er legte sie auf seinen K√∂rper, so wie sie auf den Drachen angeordnet waren und als die letzte Schuppe gelegt war, sp√ľrte er, wie Kraft und Energie ihn durchfloss, wie ein elektrischer Strom.
Er legte sich zur√ľck auf sein Kissen, schloss die Augen und l√§chelte.

All die Drachen seines Lebens waren im Raum mit ihm, warteten, dass er zu ihnen aufstieg und mit ihnen flog.

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